Unsterblichkeit – Ist sie erstrebenswert?

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Was nach dem Tod kommt, wird sich jeder mal überlegt haben. Die Weltreligionen haben ihre Theorien, die eine irdische Unsterblichkeit nicht vorsehen. Auch im Christentum sollen wir erst nach dem Tod zum ewigen Leben gelangen.

Mal abgesehen davon, ob es real überhaupt möglich wäre, das Leben physisch und seelisch auf immer und ewig erhalten zu können, stellt sich noch die Frage, ob dies überhaupt erstrebenswert ist. OK, die Frage stellt sich mir temporär für diesen Beitrag mal nicht, da „eine miese übersinnliche Wesenheit“ zu mir gekommen ist und mich einfach vor die Tatsache gestellt hat, dass ich ab sofort nicht mehr altere, nicht mehr krank werde und als einziger Mensch plötzlich unsterblich bleibe.

Mensch, willst du ewig leben?

Natürlich habe ich zu diesem Thema eine grundsätzliche Theorie. Ich habe mir über das Thema Sterben und Tod schon so meine Gedanken gemacht. Ich hab mich auch schon gefragt, wie es wäre, nochmal leben zu dürfen. Vielleicht ist es eine Zwangsläufigkeit meines nicht mehr ganz so jugendlichen Alters. Vielleicht ist es auch vom Typ abhängig. Vielleicht ist es die eine oder andere Erfahrung in meinem Leben.

Wollen wir uns die Unsterblichkeit wegdenken aus dem Weltplan, so ist die sittliche Schönheit auf eine zerfallende Seifenblase gemalt. Jean Paul (1763 – 1825)

Gibt es Aspekte in Deinem Leben, an denen Du bereits kurzfristig etwas ändern würdest?

Ich würde wahrscheinlich nichts grundlegendes ändern, denn mein Wesen, mein Charakter bleibt ja „hoffentlich“ der gleiche. Ich glaube auch, dass im Rahmen, der mir derzeit gegebenen Möglichkeiten, vieles soweit in die richtigen Bahnen gelenkt ist. Ich würde versuchen, etwas sinnvolles und erfüllendes zu machen. Ich würde versuchen, das Glück aufzunehmen und immer mal dankbar zu sein. Vielleicht würde ich versuchen, den Menschen, die mir viel bedeuten, ihr Leben angenehmer und sorgenfreier zu gestalten. In welcher Form auch immer.

Welchen neuen Zielen und Aufgaben würdest Du Dich als Zeitmilliardär/in stellen?

Ob Milliarden auf dem Bankkonto oder auf dem Zeitkonto. Ich glaube, ich bliebe Hüben wie Drüben (weitestgehend) „vernünftig“. tages-gedankenHätte ich Milliarden auf dem Bankkonto, würde ich großzügig spenden. Ich würde mir die Milliarden auf dem Zeitkonto gerne mit Menschen teilen. Das will aber ja die „miese übersinnliche Wesenheit“ nicht. Hm, ich würde mir immer noch Ziele setzen. Vielleicht noch bewusster. Und ich würde hoffen, dass ich sie auch einhalte und in mir nicht der Gedanke aufkommt, ich muss mich ja nicht unter Druck setzen, ich habe ja ewig Zeit. Was wäre, wenn in tausend Jahren eine wirklich gute Fee kommt und sagen würde, OK du kannst jetzt wieder sterben. Ich hebe auf, was diese „miese übersinnliche Wesenheit“ dir vor vielen Jahren im September 2015 gab.

Wie schlimm wäre es, wenn ich Inventur der letzten Lebensjahre machen würde und heraus käme, dass ich meine lange Zeit verplempert hätte?

Wie würde sich Deine Unsterblichkeit auf Deine Beziehungen zu anderen Menschen im hier und jetzt und auch später auswirken?

Ich möchte es mir nicht ausmalen. Wer kann sagen, ob und wie uns Unsterblichkeit verändern würde? Keiner verlässlich. Ich spekuliere aber, es würde uns verändern. Zwangsläufig würde das etwas bewirken. Ich würde mir wahrscheinlich immer mal wieder vorstellen, dass mein Partner, meine Freunde sterben. Ich bleibe aber da und ich altere ja auch nicht mit. Wenn meine Partnerin bsp. 90 Jahre wird und ich lauf als junger Hüpfer daher. Das kann doch nur Schwermut oder Ärger oder Neid hervorrufen.

Wahrheit war mein Ahnen, und mein Leben, Ward nicht wie Spreu dem Winde hingegeben,
Und stirbt nicht hin mit dieser Spanne Zeit! …Auf meinen Träumen ruht Unsterblichkeit! Friedrich Halm (1806 – 1871)

A pro pos Neid. Was, wenn ich mich meiner Partnerin, meinen Freunden mitteilen möchte und ihnen im Vertrauen sage, wie es um mich bestellt ist. Wird es nicht zwangsläufig zu Konflikten führen? Und wenn ich 500 Jahre alt bin, mehrere Lebensgemeinschaften geführt habe? Ich die Erfahrung habe, wie schwierig das ist. Wie denken meine Ehefrauen, wenn sie erfahren, dass ich schon öfter goldene Hochzeit hatte?

Wie würde ich es verkraften, wenn meine Kinder vor mir sterben? und das zig mal. Schotte ich mich nicht irgendwann ab, weil ich das nicht mehr ertragen kann? Führe ich nicht ein Leben in einer „speziellen“ Welt? Ich werde ein einsamer Mensch, weil ich den seelischen Schmerz nicht mehr aushalten kann. Immer und immer wieder liebe Menschen zu verlieren und als einziger zurück bleiben zu müssen. Das stelle ich mir brutal vor.

Was würde ich dem Pastor in der Kirche sagen, wenn er vom ewigen Leben erzählt, das wir nach dem Tode erlangen können? Ich müsste ihm sagen, dass es nicht ganz richtig ist, was er erzählt und er würde mich möglicherweise für einen wirren Menschen oder gar Gotteslästerer halten.

Wenn Du mal ganz ehrlich zu Dir selbst bist: Würdest Du unsterblich sein wollen?

Nein! Natürlich möchte ich gerne alt werden. Von mir aus gerne um die 100. Das setzt aber voraus, dass es mir gesundheitlich gut geht. Ich würde auch gerne wissen wollen, wie in 500 Jahren der Stand unserer Technik ist. Wie unsere Welt aussieht. Ist sie noch da, oder hat der Mensch sie zerstört? Ist er gerade noch zur Besinnung gekommen, um die Erde zu erhalten?

Könnte die Gesellschaft aber verkraften, wenn Menschen alle so alt würden. In 200? Jahren könnte das ja möglicherweise auch sein, dass die Sterblichkeit so bei 100 liegt. Mal das finanzielle außer Acht gelassen. Ist es für die Menschheit doch auch gut, wenn junge, frische Menschen nachrücken. Die Evolution könnte nicht funktionieren, wären wir alle unsterblich. Es gäb sie nicht. Man stelle sich die Überbevölkerung und deren Konsequenzen (Nahrung knapp, Neid, Kriege) vor, wenn alle unsterblich wären.

Wenn wir alle unsterblich wären, was müssten die Weltreligionen uns sagen, denn bisher waren die Lehren um ein ewiges Leben ja andere.

Glaube an dich selbst, Mensch, glaube an den inneren Sinn deines Wesens, so glaubst du an Gott und an die Unsterblichkeit. Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827)

Sollten wir nicht froh sein, dass die Schöpfung ist, wie sie ist. Also der Gestalt, dass unser irdisches Leben endlich ist. Es ist, wie es ist. Es kommt, wie es kommt.

Mors certa, hora incerta“ (Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss)

Wenn wir „Unsterblichkeit“ in der Definition und im übertragenen Sinne sehen: „Zustand, ……nicht vergessen zu werden“, dann wäre ich gerne unsterblich.

Wie komme ich dazu, mir solche hoffentlich nicht zu „wirren“ Gedanken zu machen? Ich wollte es den Hirngespenstern verraten. Genauer gesagt der Isa von Hirngespenster. Wer jetzt erster InspiratorIn war. Ich kann es nicht mehr verlässlich sagen. Ist glaube ich auch nicht ganz so wichtig? Ich danke sowohl der lieben Claudia, als auch dem Alex sehr herzlich. So oder so wünsche ich euch allen ein schönes, langes und erfülltes Leben.

Wie schauts bei euch aus?
Unsterblichkeit – ist sie erstrebenswert?
Was spricht dafür?
Was dagegen?
Oder bleibt ihr Pragmatiker und sagt: warum soll ich mir darüber den Kopf zerbrechen? Ich freue mich auf eure Gedanken und Ansichten.

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Hans

Ich bin 1961 geboren und ein großes Interesse gilt dem Bloggen, Foren und dem Internet mit vielen seiner vielfältigen Facetten. Über das Bloggen kann man unter anderem viele interessante und tolle Menschen kennen lernen.

19 KommentareIch freue mich über jeden Kommentar

  • Du hast einen sehr wichtigen Gedanken angesprochen – wie würde uns die Unsterblichkeit verändern? Ich glaube, ganz extrem – und nicht unbedingt zum positiven. Das ist zumindest meine Befürchtung, wenn ich über das Thema nachdenke.

    Die Menschheit an sich ist ja schon nicht einfach – wie man überall in der Welt sehen kann. Da herrschen Kriege, Not und Verzweiflung in allen Ecken auf der Welt. Ich habe große Zweifel, dass das bei der Unsterblichkeit unserer Rasse anders wäre.

    LG Thomas

    • Hallo Thomas,
      ach, das gäbe noch mehr und chronischen Mord und Totschlag. Wir haben ja jetzt schon Angst, es könne zu eng werden mit all den Menschen, die zu uns wollen. Man stelle sich vor, es wäre jeder unsterblich. Gott sei Dank ist das ja nur hypothetisch. Je länger ich drüber nachdenke, desto klarer wird mein Nein auf die Frage, ob ich es für erstrebenswert halte ewig zu leben. Da muss ich schauen, dass ich dieser „miesen übersinnlichen Wesenheit“ aus dem Weg gehe. Danke für deine Gedanken.
      HG Hans

  • Hallo Hans,
    ich kann auch ganz klar sagen, dass ich nicht unsterblich sein möchte. Da die Welt um einen herum weiterhin vergänglich ist, mag ich diesen Gedanken eher nicht. Alles sehr hypothetisch ?
    Liebe Grüße, Bee

    • Hallo und danke Bee,
      ja zum Glück bleibt es (sehr wahrscheinlich) Hypothese.
      Und so schlecht scheint die Schöpfung ja nicht zu sein.
      HG Hans

  • Hallo Hans,
    da habe ich ja einige bekannte ältere Blogartikel von Dir wieder getroffen, die alle gut zum Thema passen. Allein unsterblich zu sein, stelle ich mir noch schlimmer vor als eine generelle Unsterblichkeit. Ich denke auch, dass Unsterblichkeit nicht unbedingt positive Folgen hätte.
    Auch von mir gibt es ein ganz klares NEIN, ich möchte nicht unsterblich sein.
    Danke auch für die Erwähnung.
    Viele Grüße
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      bitte schön. Ja, wenn man es alleine wäre, wäre es noch schlimmer und würde nur Ungereimtheiten hervorrufen. und für denjenigen wäre es ja quasi nicht auszuhalten. Hg Hans

  • Phu. Tod, sterben, Unsterblichkeit.
    Ich gebe es offen zu, ich habe brutalen Schiss davor zu sterben. Tot zu sein ist egal, aber das Zwischending zwischen Leben und Tod. Das stelle ich mir echt hart vor.
    Zumindest bei mir, ich habe noch soo viel vor im Leben und weiß jetzt schon, dass es echt schwer wird all das zu schaffen.
    Aber will ich deshalb unsterblich sein? Ich weiß es nicht. Wie wäre das? Bin ich dann länger jung? Werde ich immer älter und irgendwann stoppt das und von dort an gibt es kein Altern mehr?

    Gehe ich davon aus, dass ich in meiner Unsterblichkeit fit und rüstig bin, dann kann ich mir das zuerst einmal schon ganz cool vorstellen.
    Aber das ist wirklich nur der erste Gedanke. Sobald ich weiter denke kommt sofort ein No Way! Mit all den hier schon genannten Argumenten. Das würde nicht gutgehen und wahrscheinlich würde sich dabei auch echt keiner auf Dauer wohlfühlen.

    • Hallo Marc,
      ich hätte auch Schiss vor Schmerzen und Angst während des Sterbeprozesses. Ich baue aber auf eine gute Palliativversorgung.

      Die Hypothese der „Unsterblichkeit“ ging hier davon aus, dass man nicht mehr altert und gesund bleibt. Eine undenkbare Vorstellung.

      Übrigens: Auch mit der Erfahrung, dass es plötzlich und jäh zu Ende sein kann, mache ich eines bewusst: „leben„. Und so gut ich es kann positiv gestimmt und ohne mich ständig zu Sorgen.

      Danke für deine Gedanken Marc. Genieße das Leben https://www.tages-gedanken.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif
      HG Hans

  • Hallo Hans,
    danke erstmals, dass du meinen Blogparaden-Blog hier verlinktest. Sehr nett von dir :)

    Also wegen der Unsterblichkeit ist es gar nicht so einfach und wie kann man es sich vorstellen? Was würde man dann machen und wie würde das Leben für einen dann sein? Irgendwo hörte ich, dass ein gesunder Mensch in der Lage wäre, 120 Jahre zu leben, was schon sehr sehr gut wäre, aber da wir stets im Stress leben, wird es zu diesen 120 Jahren niemals kommen.

    Man braucht ein Leben ohne den Stress im Beruf oder so etwas. Das lässt sich aber bei uns leider nicht vermeiden. Ich wäre froh, wenn ich mehr als 80-85 Jahre leben würde. Mehr zu leben, ist sicherlich erwünscht, aber wie es wirklich kommen wird, weiss nur der liebe Gott.

    • Hallo Alex,
      vorstellen kann man sich das natürlich nicht und es bleibt ein Ausflug in die Utopie.
      Ein Leben ohne Stress wird schwer realisierbar sein. Vielleicht müssen wir lernen, noch besser damit umzugehen. Die Menschheit wird immer älter, die Lebenserwartung steigt. Und a pros pos 120.

      Prof. Dr. James W. Vaupel – Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung – sagte im Jahr 2007, dass die Lebenserwartung etwa in 160 Jahren auf 120 Jahre steigt. Also liegen wir da von heute an gerechnet im Jahre 2159. https://www.tages-gedanken.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif
      HG Hans

  • Hallo Hans,

    wie versprochen, mein Statement zum Thema.
    Unsterblichkeit, ein tolles Leben ohne Risiko? Mitnichten! Man stelle sich vor, man wäre unsterblich, leidet aber unter körperlichen oder seelischen Schmerzen. Kein Ausweg, dass das jemals zu Ende sein wird. Wie grausam! Freunde, Verwandte oder Partner? Was ist damit?
    Nicht die Unsterblichkeit ist erstrebenswert, erstrebenswert ist es so zu leben, als wäre man unsterblich.

    • Servus ingo,
      danke für dein Statement. Man kann zum Thema sehr viel philosophieren, sehr viel schreiben.
      Mit:

      erstrebenswert ist es so zu leben, als wäre man unsterblich.

      sagt man schon ganz ganz viel.
      HG Hans

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