Perfektionismus? – Gut reicht auch – Was ich nicht kann…

Alltag

Ich mache das, was ich mache, wirklich sehr gerne gut. Ich strebe aber nicht nach Perfektionismus. Der Anspruch an mich ist da eher zweckmäßig und wenig verbissen. Perfekt sein? Ist es überhaupt gut, danach zu streben? Ist Unperfektsein nicht völlig normal und ist es nicht völlig in Ordnung, nicht perfekt zu sein?

Bevor ich mal ein bissel was zum Thema Perfektionismus schreibe, erzähle ich mal, wer mich zu diesem Beitrag angeregt hat. Ich bin bei Bee von myeverydaylife.de auf das Thema gestoßen. Sie lässt uns genauso daran teilhaben, was sie nicht so gut kann, wie auch: mitaundmanani.de Und bei Diana von www.changiereffekt.de lässt sich auch etwas dazu lesen.

So wissenschaftlich gesehen ist der Perfektionismus:

ein psychologisches Konstrukt, das versucht, übertriebenes Streben nach möglichster Perfektion und Fehlervermeidung zu erklären

was dann heißt Perfektionsstreben ist:

Streben nach Vollkommenheit (perfektionistisches Streben): fasst unter anderem die Eigenschaften hohe persönliche Standards und Organisiertheit zusammen.

Übertriebene Fehlervermeidung (perfektionistische Besorgnis): umfasst u. a. die Eigenschaften Leistungszweifel und Fehlersensibilität, aber auch Angst vor Bewertung, besonders durch Eltern.

Ich für mich habe den Anspruch nicht, perfekt oder  zu sein? Ich mache zwar das, was ich mache, gerne gut. Sicher aber nicht perfekt. Immer aber der Beste sein? Alles können? Ich hätte ja nichts an mir zu kritisieren. Ich glaub ich denk da auch hier und da mal nach dem Minimalprinzip? Soll heißen, ich will mit „möglichst“ geringem Aufwand etwas erreichen. Gut ist doch gut.

Ich unterstütze, dass der Anspruch an Perfektion auch ein fast sicherer „sich selber das Lebenschwermacher“ ist. Mir ist ganz sicher nicht alles egal, aber es ist kein Weltuntergang, wenn ich etwas nicht kann. Man wird auch geliebt, gemocht, respektiert und geschätzt, wenn man nicht alles in Perfektionsnähe kann. Es ist mir sympathisch, wenn jemand nicht perfekt ist und dazu steht.

Ich bin wohl eher der Pragmatiker. Daher ist ein Arbeiten mit Menschen, die ausschließlich perfektionistisch denken, schwer.  Perfektionisten machen sich das Leben selbst schwer. Perfektionisten brauchen mitunter viel Zeit für etwas, dass der pragmatisch eingestellte Mensch viel schneller macht. Sie „vertrödeln“ ihre Zeit mit unnötigen Handgriffen und Details. Ich möchte da keinem auf den Schlips treten und auch nicht werten, sondern nur meinen Blickwinkel erläutern.

Nun, bevor ich aber hier einen Vorreden-Roman verfasse, will ich mich dem eigentlichen Ansinnen widmen. Hier meine: “Kann ich voll nicht…”-Liste

…. geduldig sein. Als irgendwann mal die Tugend Geduld verteilt wurde, muss ich wohl gefehlt haben. Es ist zwar schon etwas besser geworden, gehört aber noch lange nicht zu meinen Stärken. Wenn ich früher etwas wollte, dann auch möglichst schnell. Gut im fortgesetzteren Alter kann ich mich nun auch schon mal selbst disziplinieren, aber das ist noch unbedingt Verbesserungs-Potential.

…. einkaufen gehen. Besser würde ich vielleicht sagen shoppen gehen. Wenn ich Klamotten brauche, dann gehe ich am Liebsten in das Geschäft, wo ich weiß, die haben das. Auf die Hose drauf zu, anprobieren, passt? Bezahlen, Danke Ab nach Hause. Shoppingtouren wie manche Menschen das in gemütlicher Ausgedehntheit können, sind nicht mein Ding. Normalen Wocheneinkauf im Supermarkt zähle ich da nicht mit. Den mach ich auch normalerweise.

…. warten. Schon viel besser geworden, als es mal war, aber noch nicht gut. Das Schlimme am warten wird noch verstärkt, wenn ich nichts anderes derweil tun kann. Wenn ich wenigstens eine Zeitung lesen kann. Wenn ich warten muss, überlege ich immer, was ich alles in der Zeit machen könnte, was mir bestimmt auch mehr Spaß machen würde.

…. Karussell fahren. Außer der Schiffsschaukel konnte ich das eigentlich immer gut. Auch Achterbahn. Loopings waren egal. Seit ein paar Jahren gehts nicht mehr. Scheint mit der Halswirbelsäule zu tun zu haben. Operierter Vorfall. Mir wird so was von Elend schlecht. Ich würde mich nicht trauen, es noch mal zu versuchen. Die letzte Erfahrung, bei der ich erfahren habe, dass es nicht mehr geht, reicht mir für dieses Leben.

….(zu) viel auf einmal. Ich arbeite meine Dinge lieber eins nach dem anderen und organisiert ab. Zu viel parallel, ist nicht so meine Sache. Beruflich war das was anderes. Also Multitasker bin ich nicht.

…. Ungerechtigkeit ertragen. Habe lange überlegt, ob ich das erwähne. An und für sich ist das ja nicht so schlecht. Ich weiß auch, dass es Ungerechtigkeiten auf der Welt gibt, die wir nicht mal eben so wegmachen. Das mein ich auch nicht. Ich mein eher im Umfeld. Und hier meine ich, dass ich schon aufpassen muss, meine Gosche zu halten, wenn im unmittelbaren Umfeld Ungerechtigkeit passiert. Auch da ist es nicht möglich Einfluss zu nehmen. Ich hab mir sogar schon mal eine eingefangen. (schon ein bissele her, aber..) Es gibt allerdings auch Themen; Punkte, da mache ich die Klappe gerne und jederzeit auf > BloGeHa <

…. langsam essen. Nach wie vor erwische ich mich immer wieder mal dabei zu schnell zu essen. Hatte das jetzt eine ganze Weile im Griff, weil ich auf bestimmte Schlucktechniken achte. Aber grundsätzlich hab ich die Neigung eher schnell zu essen. Ich kann aber dennoch sehr bewusst genießen.

Es gibt sicher noch manches, was ich nicht kann. Ich kann nicht stricken oder häkeln und und…… Aber diese Dinge wird kaum einer lesen wollen. Nobody is perfect. Und ich mal ganz sicher auch nicht. Das ist für mich aber auch OK. Von meinem näheren Umfeld weiß ich, dass sie da ähnlich denken und es auch OK  finden.

Man muss nicht alles so „fies“ ernst nehmen und darf auch mit einem Lächeln seine Unperfekt-Liste erstellen. Ob im Kopfe oder im Blog? Ihr wisst es selbst am Besten.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht„. [Leonardo da Vinci]

Soderle ihr lieben. Kennt ihr eure „Schwächen“?
Wisst ihr, was ihr gar nicht könnt?
Wollt ihr uns teilhaben lassen?

Ich bin nicht ganz sicher, ob Katja der Ursprung der Aktion ist. Könnte aber gut sein. Daher ihre Ode an das Unperfektsein.

Ich bedanke mich noch mal bei Bee, die mir mit ihrem Post Inspiration gab.

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Hans

Ich bin 1961 geboren und ein großes Interesse gilt dem Bloggen, Foren und dem Internet mit vielen seiner vielfältigen Facetten. Über das Bloggen kann man unter anderem viele interessante und tolle Menschen kennen lernen.

16 KommentareIch freue mich über jeden Kommentar

  • „Gut ist doch Gut“ … wohl wahr Hans. Und Gut ist genau wie Schön, immer aus welchen Blickwinkel wir das betrachten. Was für den einen Gut ist, muss es für den anderen noch lange nicht sein.
    Habe mir das Thema mal auf meine Agenda geschrieben. Wirklich interessant mal drüber nach zu denken und es nieder zu schreiben.
    Vielen Dank für deinen Artikel.
    Schönen Sonntag noch Hans
    HG Ede

    • Aaaah … eines noch – hat aber weniger mit dem Artikel zu tun:

      Dein neues Layout gefällt mir, besonders die Startseite mit diesen „Textboxen“ für die einzelnen Artikel – echt gute Idee

    • Hallo Ede,
      danke dir. Sicher definiert jeder sein „gut“ anders. Ich mag nicht gerne zu verbissen sein.
      Denke, dass das auch nicht das schlechteste ist. Bin gespannt, wie du dich des Themas annimmst.
      LG Hans

  • Hallo Hans,

    vielen Dank für die netten Erwähnungen und es freut mich, dass dich meine Mängel so inspiriert haben.

    Früher hätte ich mich selbst auch als Perfektionisten beschrieben, heute ist das nicht mehr so. Zum Beispiel beim Kochen bin ich weiterhin äußerst pingelig und strebe nach Perfektion. Ich mache das heute allerdings abhängig davon, wie wichtig mir eine Sache ist.

    Ungeduld, schlecht warten können… das trifft durchaus auch auf mich zu. Shoppen (nicht Lebensmittel) gehe ich gerne, das definiere ich als Aus-Zeit, da hetze ich nicht, sondern mache bewusst langsam. Ist vielleicht aber so eine Frauen-Sache (durchaus möglich). Und ich bin absolut ein Multitasker, das war immer meine berufliche Stärke :)

    Eine schöne Liste unperfekter Dinge, Hans.

    Liebe Grüße, Bee

    • Hallo Bee,
      lieben Dank für dein liebes Feedback. Beruflich habe ich natürlich auch gesehen, es so gut, wie irgend möglich zu machen. Jeder Personaler wird wissen, dass es „perfekt“ nicht gibt. Auch, wenn man das nach außen kommuniziert.
      Schönen Abend noch
      LG Hans.

  • Hallo Hans,

    lieben Dank für die nette Verlinkung meines Beitrages zum Thema „Unperfektsein“.

    Ich finde es so schön, dass sich dies durch so viele Blogs zieht und jeder etwas dazu beiträgt. So bestätigt sich doch, dass jeder von uns so einiges eben nicht kann und das das auch völlig ok so ist.

    Toll, dass Du mitgemacht hast. Und danke auch für Deine tolle Unperfekt-Liste.

    LG Sanna

    • Hallo Sanna,
      schön dich zu lesen und danke tüchtig für Deinen Kommentar. Die Erwähnung ist ja „Blogger-Ehrensache“. Mich würde wundern, wenn jemand sagen würde. Kann nicht mitmachen. Ich bin perfekt.

      Fand ich ein schönes Thema und hat mir Spaß gemacht. Als Makel müssen wir unser Unperfektsein ja um Himmels Willen nicht sehen.

      LG Hans

  • Hallo Hans,

    da erkenne ich doch die ein oder andere Parallele. Warten und geduldig sein – zwei Dinge, welche mir gar nicht in die Wiege gelegt wurden.

    Und wer ist schon perfekt? Niemand – und das ist gut so, sonst wären wir Maschinen. Und überhaupt, wer definiert denn eigentlich das Perfektsein?

    LG Thomas

    • Hallo Thomas,
      man stelle sich mal vor, alle Menschen wären perfekt. Dann bräuchte man ja niemanden mehr. Eine gruselige Vorstellung. So ist das schon besser. Da wird sich irgendeiner schon was gedacht haben, als der Mensch geschaffen wurde.
      Danke herzlich für dein Feedback
      HG Hans

  • Hallo Hans,

    ich bin vor einiger Zeit auch zu einem solchen „Unperfekt sein“-Post angeregt wurden und fand es anfangs sogar recht schwierig, mal ehrlich mit sich ins Gericht zu gehen.

    Unperfekt? Perfektionismus? Mmhh…, wenn man in der Lage ist, sich selbst ehrlich und offen selbst zu reflektieren, ist das meiner Meinung nach bereits ein recht perfekter Weg. Damit offen umzugehen, kann nur von Vorteil sein und bringt einen weiter. Und wenn es nur dabei hilft, Andere ebenfalls als „nicht perfekt“ anzusehen und damit sein eigenes Selbstbewusstsein nicht unter den Scheffel zu stellen.

    Liebe Grüße,
    Patrick

    • Hallo Patrick,
      Ja, ganz einfach war es nicht. Es gibt sicher noch hunderte Sachen, die ich nicht kann. Ich kann kein Auto bauen. Ich kann keine Kleider entwerfen und nähen. und und und….

      Ich finde auch, man tut sich keinen Gefallen, sich als perfekt hin zu stellen und sehe es wie du. Das Unperfektsein-Outing kann uns einen positiven Schub geben. Uns weiter bringen.

      Wir stärken ja auch ein Stück weit unser Selbstbewusstsein mit dem coming-out. A la:
      Hey Leute, ich bin nicht perfekt, aber ich bin dennoch ein ganz dufter Mensch, der so manche Qualitäten hat. Ich kann vielleicht etwas, was der andere nicht kann und umgekehrt und schon ergänzt man sich.

      HG Hans

  • Hallo Hans,

    GUT ist doch besser als Mittelgut oder Schlecht ;-)
    Sich selbst unter Druck zu setzen und eigentlich unweigerlich dem Schweitern ausgeliefert zu sein, würde mich zu sehr frustrieren. Also ist es doch GUT so!
    LG Tanja

    • Hallo Tanja,
      nä, unter Druck setzen gibt es nicht. Oder ein bisschen positiven Druck, im Sinne von sich motivieren. Am Ende darf gut raus kommen ;-)
      LG Hans

  • Hallo Hans,
    da gebe ich Dir recht, niemand muss oder kann perfekt sein, jeder hat seine Stärken und Schwächen. Und selbst bei den Stärken sind es nicht immer 100 %. Als die Geduld verteilt wurde, stand ich wohl auch weit hinten in der Schlange, aber ich habe mich schon gebessert. Mathematik war auch nie mein Lieblingsfach. Wichtig ist, dass sich jeder in seiner Haut wohlfühlt und bereit ist, an sich zu arbeiten, wenn es etwas gibt, was besser sein könnte, aber nicht perfekt sein muss.
    Viele Grüße
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      danke sehr herzlich für dein Feedback, Es gibt auch bei mir Punkte, wo ich „alles“ gebe, um etwas bestmöglich zu machen. Ich will mir (auch selber) nicht vorwerfen, nicht genug gegeben zu haben, da wo ich es für notwendig halte. Auch ich will zumindest zufrieden mit mir sein.
      LG Hans

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