Freie Meinungsäußerung – wie frei sind Blogger?

WebmasterFriday(1)(1)

Die freie Meinungsäußerung hier zu Lande ist ein Segen. Kaum auszudenken, wenn man nicht (weitestgehend) frei seine Meinung sagen dürfte. Auch als Blogger ist man ja in der komfortablen Situation über alles schreiben zu können, und seinen Standpunkt öffentlich zu machen. Wie gesagt. Dass wir das können, ist eine gute Sache.

Ist sie das aber immer? In Tagen wo anderen Orts die freie Meinung durch Gewalt und Terror mit Füßen getreten wird, ist es auch gut, sich des Themas mal webmasterfridayzu widmen. So lädt uns auch Martin, alias „WebmasterFriday“ ein, uns unsere Gedanken darüber zu machen, ob Gedanken und Meinung denn auch immer frei ist. Dass Meinungsfreiheit fundamentale Säule jeder Demokratie ist, sehe auch ich ohne Zweifel.

Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. Voltaire (1694-1778)

Mit Blogs existiert ja schon lange ein durchaus „mächtiges“ Werkzeug, Meinung zu äußern. Das Leben in einer Demokratie heißt aber nicht, dass man bedingungslos alles darf. Der Gesetzgeber regelt mit Paragraphen, dass jeder das Recht hat, seine Meinung frei zu äußern und dieses Recht nur in den Vorschriften der Gesetze und gesetzlichen Bestimmungen seine Grenzen findet. Also Beleidigungen oder haltlose Anschuldigungen tunlichst unterlassen werden.

Die Schranken

Beachten wir Blogger die geltenden Gesetze und natürlich den Persönlichkeitsschutz Dritter, dann bleiben uns noch immer viel Möglichkeit, unsere Meinung zum Ausdruck zu bringen. Das ist auch gut und richtig so. Wer aber öffentlich kritisiert, muss Behauptungen und Thesen belegen können. In der Kneipe um die Ecke kräht kaum ein Hahn danach, was ich über andere sage, im Internet besteht viel mehr die Gefahr, einen zwischen die Hörner zu bekommen, und es bleibt alles im Langzeitgedächtnis und die Gefahr, falsch verstanden zu werden ist groß.

Äußert ein Blogger, ohne das er sich hinter einem Nick versteckt, seine Meinung sachlich, übt er Kritik, die sich durch anständige Recherche und Tatsachen belegen lässt, und verlässt er dabei nicht den Weg des Anstands und des guten Benehmens, dann spricht doch alles für einen meinungsfreien Blogbeitrag, auch, wenn er möglicher Weise gegen den Mainstream geht. Da ist die Meinungsfreiheit ein Segen.

„Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“
Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Und was ist die Krux?

Meinungen und Äußerungen können sich auf ganz bestimmte Personen oder Firmen beziehen, und häufig vergreift man sich im Schutz der Anonymität da auch schon mal im Ton und es mangelt an der Sachlichkeit. Man kann damit sogar großen Schaden anrichten. Man siehe alle Formen von Bewertungsplattformen.

Vielleicht hat anonyme Meinungskultur im Internet dort ein Recht, wo man sonst wegen seiner öffentlich und namentlich geäußerten Meinung verfolgt und bestraft würde. Ich finde es gut, dass wir demonstrieren können, dass wir uns streiten können. All dies muss aber immer ohne zu verletzen oder zu beleidigen gehen. Blogger haben im WorldWideWeb da die Möglichkeit Vorreiter zu sein für eine gepflegte Meinungskultur, die den Anstand und Respekt achtet, es aber an „lauter“ Kritik nicht mangeln lassen. Wir haben es in der Hand die Netzkommunikation und das öffentliche „Aufregen“ auch zukünftig zu bereichern.

Ich nehme mir das Recht, mich nicht zu allen Themen zu äußern, weil ich meine, die Gefahr da auch mal gründlich missverstanden zu werden, und möglicher Weise jemandem unrecht zu tun, ist mir zu groß. Schade finde ich, dass man für seine Meinung entweder angegriffen wird, oder man hat Unterstützer. Dazwischen gibt es wenig. Und manchmal denk ich auch, ich müsste mich noch öfter aufregen.

Das Recht seine Meinung frei, verantwortlich und respektvoll zu äußern ist ein großes Glück. Jedem Menschen – (auch) unabhängig seiner Religion – sollte dieses Glück und das Recht zugestanden werden.

Wenn ich der Meinung bin, eine Meinung, eine Äußerung oder Aussage sei unrechtlich, dann kann ich versuchen mein Recht gerichtlich einzufordern. Darum zu streiten.  Gewalt und Terror geht aber niemals.

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Hans

Ich bin 1961 geboren und ein großes Interesse gilt dem Bloggen, Foren und dem Internet mit vielen seiner vielfältigen Facetten. Über das Bloggen kann man unter anderem viele interessante und tolle Menschen kennen lernen.

13 KommentareIch freue mich über jeden Kommentar

  • Nabend Hans,
    geht ja heute „Schlag auf Schlag“ …
    Dein Artikel hat mich sehr angesprochen, da ich mich heute gerade damit mehr oder weniger und so ähnlich, damit auseinander gesetzt habe.
    Ganz dick und fett möchte ich deinen Absatz (deine Sätze) unterstreichen,
    „… Blogger haben im WorldWideWeb da die Möglichkeit Vorreiter zu sein für eine gepflegte Meinungskultur, die den Anstand und Respekt achtet … “

    Vielen Dank für einen wirklich guten und interessanten Artikel
    LG
    Ede

    • Guten Abend Ede, danke für Deinen netten Kommentar.Ich glaube in der Tat daran, dass es auch Wege geben kann, sich „gesittet“ und respektierend über etwas zu streiten. Das eine schließt das andere nicht aus, wenn es scheinbar auch seltener gelingt. Ich habe Dir zu danken und wünsche Dir einen schönen Abend.
      HG Hans

  • Mir ist aufgefallen: So fern einem seine Meinung in der gesellschaftlichen Norm liegt, ist es vollkommen in Ordnung darüber zu schreiben. Wenn man aber eine anderer Meinung ist, wird diese nur anerkannt, wenn irgendein Institut die Meinung anhand einer mega-mäßigen-Studie belegen kann.

    Hinzu kommt dass die Gesellschaft so übersensibilisiert ist, dass es kaum mehr möglich ist in einer Meinungsäußerung sich wirklich zu äußern, weil irgendeinen könnte man damit ja irgendwie diskriminieren oder in seiner Freiheit beschränken – D A S geht ja mal gar nicht. Jedoch anstatt über einen Beitrag, der einen vielleicht missfällt zu philosophieren („warum denkt er/sie so darüber?“), wird man gleich zerrissen. Und das ist ja auch vollkommen okay, immerhin ist man ja emotional berührt und das entschuldigt ja jegliches…

    Eine Meinung muss für mich nicht belegt werden können. Das würde für mich bedeuten, dass es nur „eine richtige“ Meinung gibt jedoch empfinde ich eine Meinung als was „freies“ und es gibt kein wirkliches richtig und falsch. Man muss für mich nur „ausstrahlen“ können, dass man seine Meinung hat, weil man sich mit dem Thema beschäftigte und die Pros und Contras abwägte. Und nicht weil die BILD das sagte.

    Es ist ein spannendes Thema!

    Liebe Grüße
    Christiane

    • Hallo Christiane, vielen herzlichen Dank für deinen Besuch und deinen Kommentar.

      weil irgendeinen könnte man damit ja irgendwie diskriminieren oder

      Ich gestehe unumwunden, dass mich dieser Punkt hier und da von der Äußerung meines Standpunktes , gerade heraus, abhält. Das ist eigentlich sehr schade, dass wir da so „sensibel“ reagieren. Aber vielleicht ist das ja auch nur eine Frage der Zeit. Schön wäre es.
      Das war natürlich ein wenig missverständlich ausgedrückt von mir mit dem „Meinung belegen“. Meine Meinung habe ich so, auf Grund von Informationen. https://www.tages-gedanken.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif
      Lieben Gruß Hans

  • Die Trotzreaktion mancher Redaktionen, die gleich nach den Attentaten von Paris weitere Islam-Karikaturen veröffentlicht haben, hat mir zu Denken gegeben. Einerseits finde ich es richtig, den islamistischen Verbrechern nicht nachzugeben, sich also nicht einschüchtern zu lassen. Andererseits sehen wir aber auch, wie diese Dinge in der muslimischen Welt ankommen. Und diese Reaktionen sind ja keineswegs neu. Spätestens nach den Reaktionen auf Westergaards Veröffentlichungen kennt man das.

    Auf uns wirkt das einerseits albern, andererseits aber auch verstörend. Wie können Menschen nur aufgrund von Zeichnungen auf Mordlisten gesetzt werden? Die Proteste werden zwar immer von Leuten angeheizt, die genau diese Reaktionen provozieren wollen, aber die Menschen lassen sich auf der anderen Seite auch ganz leicht in eine Richtung lenken. Wir registrieren das vor allem mit Unverständnis. Und was wir nicht verstehen, lehnen wir ab. Das hat nicht nur hier in Deutschland eine alte Tradition. Es zeigt sich, dass unsere Denkweise eben nicht unbedingt die aller Menschen auf diesem Globus ist. Oder anders ausgedrückt, unsere Werte sind nicht immer kompatibel mit denen von Menschen anderer Kulturen/Religionen. Was machen wir nun mit dieser Erkenntnis? Darum geht es letztlich. Können wir aus dieser vermeintlichen Inkompatibilität Konsequenzen für unser Handeln ableiten? Es wirkt wie die Trotzhandlungen pubertierender Jugendlicher, wenn europäische Zeitungen Islam-Karikaturen ihrerseits als Reflex auf die Gewalt der Verbrecher von Paris abdrucken. Man hätte es auch so machen können wie einige große us-amerikanische Zeitungen, die dieses nicht etwa aus Feigheit vermieden haben, sondern weil sie so klug waren, nicht weiteres Öl ins Feuer zu gießen.

    In Deutschland wird das Klima inbesondere durch Hetzblogs vergiftet und das gehört (in meinen Augen leider) auch zur Meinungsfreiheit dazu. Meine Haltung dazu ist verhältnismäßig eindeutig. Auch wenn ich oft genug ins Grübeln gerate.

    • Hallo Horst, die Reaktion der ein oder anderen Redaktion hatte für mich auch eben diesen fettigen Beigeschmack. Hoffen wir, dass alle besonnen reagieren. Auch die Meinungsfreiheit hat mehrere Sichtweisen. Dein “leider” unterstreiche ich.
      HG Hans

  • Huhu,

    ich habe überlegt ob ich zu dem Thema bei mir auch was schreiben soll – und mich dagegen entschieden. Und das, obwohl der Beitrag fast fertig war. Alleine das ist doch eigentlich schon ein schlechtes Zeichen, oder?

    Ich finde, zum Recht einer freien Meinungsäußerung gehört auch das Recht zu kritisieren, wenn es denn mit Respekt und konstruktiv geschieht. Leider ist es aber oft so, wie Christiane schon richtig schrieb, das sich mit Argumenten und Beweggründen nicht mehr beschäftigt wird. Da wird lieber eine Pauschalisierung raus geholt wird oder das dumme „Ich finde es doof, Basta“ Argument.

    Generell kommt in unserem Land noch das Problem dazu, das man bei jedem Argument, bei jeder Meinungsäußerung noch gut überlegen muss, welcher Volksgruppe oder welchem Mitbürgen man damit nun wieder auf die Füße treten könnte. Ruckzuck ist man in eine rechte oder linke Ecke gedrängt, wo man eigentlich nicht hin gehört.

    Schwieriges Thema das ist. (Frei nach Meister Yoda https://www.tages-gedanken.de/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif)

    LG Thomas

    LG Thomas

    • Hallo Thomas, ich hab auch erst mal lange überlegt. Ein schwieriges Thema ist es in der Tat. Aber ich dachte durch nichts sagen wird es auch nicht besser. Auch im persönlichen face to face Gespräch hofft man momentan (mehr), dass einem sein gesagtes nicht direkt falsch ausgelegt wird.
      HG Hans

  • Die meisten verstehen die freie Meinungsäußerung auch etwas falsch…. Jemanden zu beleidigen und anschließend zu behaupten man hätte doch das recht auf Meinungsfreiheit … solchen Menschen würde ich gerne einfach einen Duden an den Kopf knallen… Damit etwas Sinnvolles im Hirn ist.

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